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«22», Dienst Intervention

Man muss im Kopf parat sein, Druck und Stress aushalten können und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

29.11.2021
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📷 Stefano Schröter Fotografie und Konzepte
📷 Stefano Schröter Fotografie und Konzepte

Stell dich doch mal vor. Wer bist du?
Man nennt mich «22» beim Dienst Intervention. Da wir in der Interventionseinheit teilweise heikle Einsätze haben, müssen wir unsere Identität schützen und kommunizieren nur mit Codierungen. Ich bin Gruppenführer sowie Instruktor bei der Interventionseinheit und verantwortlich für die Fachbereiche Einsatztechnik und Öffnungstechnik, Sprengen und Erstabklärer bei Sprengstoffdelikten. Seit 2008 arbeite ich bei der Luzerner Polizei.

Was hat dich am Beruf Polizist angesprochen? Wie hast du zur Luzerner Polizei gefunden?
Seit meiner frühen Kindheit wollte ich Polizist werden. Ich wusste jedoch, dass ich vor dem Polizeiberuf noch eine Lehre, die minimal drei Jahre dauert, absolvieren muss. So entschied ich mich also zunächst dafür, eine Lehre zu machen. Der Beruf gefiel mir ganz gut, doch war mein Ziel von Anfang klar. So habe ich mit 25 Jahren meine Chance bei der Polizei gepackt.

Wie sah dein Werdegang bei der Luzerner Polizei aus? Wo warst du überall tätig?
Ich habe bei der Stadtpolizei Luzern angefangen. Nach kurzer Zeit, 2010 kam die Zusammenlegung der Stadtpolizei mit der Kantonspolizei zur Luzerner Polizei. Mir hat die Arbeit in der Stadt und in der Sicherheitspolizei sehr gefallen. Als jedoch eine Stelle bei der Interventionseinheit Luchs ausgeschrieben wurde, war ich, trotz erst knapp 1,5 Dienstjahren, sofort Feuer und Flamme dafür. Ich konnte mir nichts Besseres vorstellen. In der Folge bin ich mit dem damaligen Chef der Sicherheitspolizei Stadt zusammengesessen und habe ihn nach seiner Meinung gefragt. Als ehemaliger Luchs-Angehöriger riet er mir zu einer Bewerbung. Ich könne nur profitieren. So habe ich mich beworben und das damals noch einjährige Auswahlverfahren durchlaufen. Ende 2010 / Anfangs 2011 hatte ich es geschafft und erhielt positiven Bescheid. Für mich als damals junger Polizist war dies das Karriere-Highlight schlechthin. Anschliessend ging alles sehr rasch. Ich wechselte die Abteilung in den damaligen SPID (Ständiger Präsenz- und Interventionsdienst), welcher ausschliesslich aus Luchsen bestand.

Du bist Teil der Interventionseinheit Luchs. Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um ein Teammitglied zu werden?
Mentale Stärke ist besonders wichtig. Man muss im Kopf parat sein, Druck und Stress aushalten können und sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.  Attribute, welche «klischeemässig» klingen, aber tatsächlich von hoher Bedeutung sind. Zwingend notwendig ist auch der Faktor Teamplayer. Dies sind die Grundvoraussetzungen. Körperliche Fitness ist eine Selbstverständlichkeit. Alles andere wird einem beigebracht und kann man sich aneignen. Man muss nicht in allem der/die Beste sein, jedoch ist die Konstanz der Leistungen entscheidend und dass man die Leistung zum Zeitpunkt X abrufen kann.

Wenn man von einem Arbeitsalltag reden kann, wie sieht dieser bei dir aus? Was sind deine Aufgaben in der Spezialeinheit?
Bei uns, wie überall bei der Polizei, gleicht kein Tag dem anderen. Nebst Einsätzen im Bereich der Schwerstkriminalität, als Unterstützung in polizeitaktisch heiklen Situationen für die Frontpolizei oder im Personenschutz von völkerrechtlich geschützten Personen, sind wir oft am Trainieren.

Wir trainieren in der Regel tagsüber. Das heisst, wir starten morgens um 07:00 Uhr und beenden unser Training nach einer Mittagspause um 15:00 Uhr. Danach ist aber nicht fertig. Dann heisst es Einsatzbereitschaft erstellen und nochmalige Übungsbesprechung. Um 16:30 Uhr endet der Trainingstag für gewöhnlich. Tradition ist jedoch, dass das Team im «Luchsbau» danach noch zusammensitzt. Kameradschaft wird bei uns gelebt und grossgeschrieben.

Nebst Schiessen, Persönlicher Sicherheit und Taktik trainieren wir in spezialisierten Aufgabengebieten wie Öffnungstechnik, Sprengen, Seilen (mit und ohne Helikopter), taktische Einsatzmedizin, Einsatztechnik, Präzisionsschiessen, Personen- und Objektschutz und weiteren Gebieten. Es ist also durchaus eine grosse Palette an Aufgaben, welche wir beherrschen müssen. Die Ansprüche an uns selber und unsere Fähigkeiten sind gross, weshalb wir unsere Skills oft und sehr regelmässig trainieren. 

Wenn man sich die Intervention vorstellt, hat man Bilder von «knallharten» Männern im Kopf. Kann sich auch das weibliche Geschlecht bei euch bewerben?
Es spielt bei uns keine Rolle, welchem Geschlecht die Person angehört. Es zählt einzig und allein die Leistung. Bei dieser machen wir keine Ausnahme, dies können wir auch im Einsatz nicht tun. Wenn die Leistung und die weiteren vorgängig erwähnten Voraussetzungen stimmen, spricht nichts dagegen, sich auch als Frau bei uns zu bewerben.

Sicherlich gibt es einige Situationen die du aufzählen könntest, aber gibt es einen Einsatz, der dich besonders geprägt hat?
Einer der prägendsten Einsätze ging über zwei Tage. An Tag eins wurde von der Zielperson während unseres Einsatzes in unsere Richtung geschossen. Nach mehrstündiger Verhandlung durch die Verhandlungsgruppe wurde dann am Folgetag entschieden, die Wohnung einzunehmen. Das war schon ein spezielles Gefühl, sich nach einer kurzen Nacht am Morgen zuhause zu verabschieden und zu wissen, dass ein solcher Zugriff bevorsteht.

Bei einem anderen Einsatz wurde eine Person angeschossen und verletzt, konnte sich selbst in Sicherheit bringen und die Polizei alarmieren. Wir nahmen danach einen verlassenen Hof ein, auf welchem wir den Täter vermuteten. In der Zufahrt zum Hof konnte in der Dunkelheit eine leblose Person angetroffen und geborgen werden. Der ganze Einsatz verlief mitten in der Nacht. Wir hatten über längere Zeit keine Ahnung, ob sich der Täter irgendwo auf dem Hof verschanzt hatte und darauf wartete, das Feuer auch gegen uns zu eröffnen. Schliesslich konnten wir dann im Stall den mutmasslichen Täter mit einer Schussverletzung am Kopf feststellen, welche er sich selbst zugefügt hatte. Er lebte noch – trotz seiner Verletzung - musste jedoch stabilisiert und mit der Rega ins Spital geflogen werden. Dort verstarb er kurze Zeit später.

Hast du Tipps für Berufsanfänger?
Geht mit offenen Augen durch die Welt, guckt euch bei erfahrenen Kolleginnen und Kollegen immer das Beste ab und übernehmt das. Bleibt euch treu und seid der Polizist, den ihr gerne antreffen möchtet.

Möchtest du noch etwas Abschliessendes sagen? 
Der einzige Weg, um grossartige Arbeit zu vollbringen, ist zu lieben, was du tust.


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  • Bibi 29.11.2021, 12:56 Uhr
    Ich finde es toll, dass Menschen für andere Menschen ihr Leben auf‘s Spiel setzten bei einem Auftrag. Es ist gut zu wissen, dass es euch gibt. Euer Job im Dienste der Allgemeinheit (wie auch der Job set ganzen Polizeiabteilung) sollte viel mehr geschätzt und geachtet werden. Vielen Dank 🙏 und bleibt alle gesund Bibi
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