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Thomas, Einsatzgruppenchef und Hundeführer

Wir setzen jeden Tag alles daran, einen guten Job zu machen und jede/n den ich kenne, wurde aus demselben Grund Polizist/in: um zu Helfen.

29.04.2022
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Stell dich doch mal vor. Wer bist du?
Mein Name ist Thomas und ich bin 34 Jahre alt. Ich arbeite bei der Luzerner Polizei, Polizeiregion Stadt Luzern. Als Einsatzgruppenchef bin ich praktisch täglich im Aussendienst in der Stadt Luzern, aber auch im ganzen Kantonsgebiet.

Wie bist du zur Luzerner Polizei gekommen? Warum hast du dich für den Beruf Polizist entschieden?
Da mein Vater jahrzehntelang als Polizist tätig war, habe ich mich bereits als Kind fortwährend mit dem Beruf des Polizisten befasst. Als mein Vater damals noch mit dem Patrouillenfahrzeug zum Essen nach Hause kam und dann unerwartet ausrücken musste, standen meine Geschwister und ich am Küchenfenster und schauten zu, wie er mit Blaulicht davonfuhr. Bereits in der Schulzeit besuchte ich meinen Vater sehr oft auf dem Polizeiposten und fühlte mich dort wie Zuhause. Da ich jedoch wusste, dass eine Erstausbildung eine der Bedingungen für die Aufnahme an der Polizeischule ist, habe ich die Lehre als Multimediaelektroniker absolviert. Nach der Lehre setzte ich mich dann ernsthaft mit dem Gedanken auseinander, Polizist zu werden. Da ich einen spannenden, herausfordernden und abwechslungsreichen Beruf ausüben wollte, bewarb ich mich bei der Luzerner Polizei und durfte im Jahr 2011 die Polizeischule beginnen. Von diesem Zeitpunkt an kam keine andere Tätigkeit mehr für mich in Frage. Mit anderen Worten: Aus dem Beruf wurde meine Berufung.

Wie war dein bisheriger Werdegang? Wo warst du bei der Luzerner Polizei schon überall tätig?
Seit Abschluss der Polizeischule in Hitzkirch im Jahr 2012 arbeite ich in der Polizeiregion Stadt Luzern. In mehreren Einsatzzügen durfte ich die letzten zehn Jahre Erfahrungen sammeln und spannende, jedoch auch herausfordernde Einsätze leisten. Im Jahr 2015 wurde ich in die Sondergruppe Hundeführer der Luzerner Polizei aufgenommen und durfte meinen damals zehn Wochen alten Welpen «Rusty» zu mir nach Hause nehmen. Rund drei Jahre und unzählbare Trainingsstunden später erreichten wir die Einsatzfähigkeit und durften bis heute schon etliche gemeinsame Einsätze leisten. Seit dem Jahr 2018 arbeite ich nun als Einsatzgruppenchef.

Wie sieht dein Arbeitsalltag heute aus? Was sind deine Aufgaben?
Ein «Alltag» in dem Sinne gibt es bei der Polizei nicht. Genau dies macht den Beruf des Polizisten aus. Kein Tag gleicht dem anderen. Es gibt jedoch gewisse Abläufe, welche auch bei uns immer gleich sind.

In der Polizeiregion Stadt arbeiten wir im Schichtbetrieb in sogenannten Einsatzzügen. Sechs Einsatzzüge leisten dabei die Grundversorgung und ein weiterer Einsatzzug die sogenannte Spezialversorgung bzw. Brennpunktbewirtschaftung. Mein Dienstplan wiederholt sich in der Regel alle sechs Tage, wobei diese sechs Tage zwei Tagdienste, einen Frühdienst/Nachdienst, einen Ruhetag und zwei Freitage beinhalten.

Als erstes übernehme ich jeweils mit einer Kollegin/einem Kollegen ein Fahrzeug und melde unsere Patrouille bei der Einsatzleitzentrale an. Rusty ist natürlich auch mit dabei. Dann gehen wir zum Briefing, bei welchem der Dienstchef die wichtigsten Informationen der letzten und des heutigen Tages zusammenfasst. Anschliessend beginnt der Dienst.

Durch die Einsatzleitzentrale werden die eingehenden Meldungen koordiniert und Einsätze an die jeweils nächstgelegene Patrouille weitergegeben. Die Anzahl und Art der Einsätze variiert stark und ist nicht vorhersehbar. Sei es ein Verkehrsunfall mit verletzten Personen, ein Todesfall, ein Einbruchdiebstahl oder was sonst gerade ansteht. Manchmal liegt auch einfach ein verletzter Vogel am Strassenrand. Das Arbeitsspektrum ist riesig. Man muss sich mental auf alle möglichen Szenarien einstellen können, dies meist innert kürzester Zeit. Wenn ich beispielsweise eine Todesnachricht überbringen muss, muss ich danach beim nächsten Auftrag, egal um was es sich dabei handelt, professionell und unvoreingenommen sein. Dies auch wenn sich das Gegenüber nicht korrekt verhält. Dies ist genau die Faszination und Herausforderung im Dienst an der Front.

Als Uniformpolizist gehört auch der Ordnungsdienst mit dazu. Fussballspiele, Kundgebungen usw. benötigen meist polizeiliche Begleitung. Ebenso gehören Ausbildungstage mit Taktik, Schiesstraining, Selbstverteidigung, Hundeausbildung und vieles mehr zum Beruf dazu.

Du hast einen Arbeitskollegen auf vier Pfoten zur Seite. Wie kam es dazu?
An der Polizeischule in Hitzkirch hatte ich das erste Mal Kontakt mit Polizeihunden und ihren Hundeführern. Ich durfte dort einen Ganzkörper-Anzug für Schutzdiensttraining anziehen. Seit diesem Zeitpunkt hatte ich die Arbeit der Hundeführer und ihren Vierbeinern nie aus dem Blick gelassen. Zahlreiche Einsätze, bei welchen Hunde beteiligt waren, haben mich angetrieben, mich ebenfalls als Hundeführer zu bewerben.

Dein Hund gehört der Luzerner Polizei. Bleibt er nach Feierabend bei der Polizei oder wo lebt er?
Rusty lebt bei mir zu Hause und darf das normale Hundeleben in der Familie geniessen. Er kann sehr gut zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden. Wenn ich zur Arbeit gehe ist er im Normalfall immer mit dabei. Ich habe ihn quasi 24 Stunden an meiner Seite.

In die Hundeausbildung wird viel Zeit investiert. Ist dies alles Arbeitszeit oder was muss man sich als Hundeführer/in bewusst sein?
Die Ausbildung eines Polizeihundes bringt sehr viel Freude, jedoch auch sehr viel «Arbeit» mit sich. In der Regel absolvieren wir im Jahr 24 Trainingstage während der Arbeitszeit. Die restlichen Trainings machen wir in der Freizeit. Somit fällt der grössere Teil in die Freizeit. Mit einem jungen Hund muss täglich mehrfach trainiert werden. Im Schnitt sind dies rund zwei bis vier Stunden täglich. Spazierengehen ist da noch nicht eingerechnet. Je älter der Hund wird, desto «zeitsparender» wird es. Er weiss, was er zu tun hat. Eine gute Grundbasis im Training hilft, im höheren Alter des Hundes etwas gemütlicher unterwegs zu sein.

Sicherlich könntest du hier einiges erzählen. Aber gibt es einen Einsatz welcher dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es gibt unzählige. Bei zehn Dienstjahren könnte man Bücher füllen mit tragischen, einschneidenden, spannenden und auch vielen lustigen Momenten und Einsätzen. Viele davon werde ich nie mehr vergessen. Zwei Erlebnisse wiederspiegeln am besten die Bandbreite unseres Alltages.

Eine ältere Dame wurde bei sich zu Hause überfallen und konnte um Hilfe rufen. Eine Einsatzpatrouille war bereits vor Ort und kümmerte sich um das Opfer. Ich war im Büro, als ich die Meldung am Funk hörte. Sofort bin ich mit Rusty und einem Kollegen vor Ort gefahren. Bei strömendem Regen nahmen wir eine Fährte auf. Nach rund 50 Minuten konnten wir den mutmasslichen Täter im Wald, im dortigen Bach, festnehmen. Ich weiss heute noch nicht, worüber ich mich mehr freute. Darüber, dass wir den Täter festnehmen konnten oder dass die Tortur bei Regen durch den steilen Wald ein Ende fand ;-)

Ein weniger schönes Ereignis traf mich persönlich mehr als es mir lieb war. Ich war mit einer Kollegin auf Einsatzpatrouille durch die Stadt Luzern, als wir zusehen mussten, wie ein Fussgänger auf die Strasse rannte und von einem Personenwagen frontal erfasste wurde. Die Person wurde mehrere Meter weggeschleudert. Sogleich hielten wir an und kümmerten uns um den schwerverletzten Fussgänger. Die professionelle Distanz zu den Einsätzen und Ereignissen, welche normalerweise durch den Eingang einer Meldung bereits stattfindet, war in diesem Fall nicht vorhanden. Ich konnte mich mental nicht vorbereiten und «funktionierte» auf der Unfallstelle halt einfach. Erst zu Hause realisierte ich, was eigentlich passiert war. Nachdem ich während einer Woche kaum schlafen konnte, ging es zum Glück wieder bergauf und ich konnte den Vorfall verarbeiten. Dies konnte ich nur dank dem super Zusammenhalt innerhalb des Teams. Vergessen werde ich diese Bilder und Emotionen jedoch nie mehr!

Die Umstände und das Umfeld zur Ausübung des Polizeiberufs sind in den letzten Jahren schwieriger geworden. Würdest du dich wieder für den Beruf entscheiden?
Ja, es ist schwieriger geworden. Wenn ich auf die Zeit zurückblicke als ich als junger Polizist anfing, hat sich bereits viel verändert. Wenn ich die «Geschichten» meiner älteren Kollegen höre, verstärkt sich diese Wahrnehmung. Das Aufgabengebiet ist riesig und der Bürger erwartet teils Antworten von uns, die wir schlicht nicht geben können. Als Beispiel wurde ich schon mehrfach gefragt, wann welcher Zug auf welchem Perron fährt bzw. ankommt. Zum Ausüben meines Berufs stellen sich mir jedoch ganz andere Fragen wie: Was muss ich besonders beachten, wenn ich an ein Tötungsdelikt ausrücke? Welche Massnahmen treffe ich bei einem Brand? Und so weiter.

Was sich am spürbarsten verändert hat, ist der fehlende Respekt gegenüber unserer Arbeit und uns Polizistinnen und Polizisten. Wir stellen bei weitem nicht nur Ordnungsbussen aus. Es gehört halt zum Beruf dazu. Beschimpfungen, Drohungen und Gewalt uns gegenüber ist keine Seltenheit und kommt leider viel zu oft vor. Das macht zu schaffen. Wir setzen jeden Tag alles daran, einen guten Job zu machen und jede/n den ich kenne, wurde aus demselben Grund Polizist/in: um zu helfen. 

Um auf die Frage zurückzukommen: Ja auf jeden Fall. Trotz all dieser Umstände würde ich nichts lieber tun.

Möchtest du noch etwas Abschliessendes sagen? 
Wie man in den Wald ruft, schallt es zurück! Dies gilt für alle Menschen, auch für Polizisten und Polizistinnen. Wir streben auch in schwierigen Situationen eine Konfliktlösung mit normaler Stimmlage und Sprache an. Mit einer beidseitigen respektvollen Kommunikation, lösen sich die Probleme in der Regel von selbst.


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