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Nicole, Polizistin beim Unfalldienst

Man darf sich von plötzlichen Situationsveränderungen nicht stressen lassen.

28.02.2022
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Stell dich doch mal vor. Wer bist du?
Mein Name ist Nicole, ich bin 40 Jahre alt und durfte 2005/2006 die Zentralschweizerische Polizeischule in Sempach absolvieren. Seit zweieinhalb Jahren arbeite ich nun beim Unfalldienst der Luzerner Polizei.

Warum hast du dich für den Beruf Polizistin entschieden? Was macht der Beruf für dich aus?
Viele fragen mich immer, war dies ein Kindheitstraum von dir? Meine klare Antwort ist nach wie vor: Nein, nie habe ich als Kind auch nur einen Gedanken an den Beruf Polizistin verschwendet. Ich habe ursprünglich das KV gemacht und nach der Lehre auf diesem Beruf gearbeitet. Nach einem Stellenwechsel arbeitete ich zwar die meiste Zeit im Büro, durfte jedoch auch in der Werkstatt mithelfen. Da wurde mir bewusst, dass ich nicht für den Rest meines Lebens nur von Montag bis Freitag arbeiten und immer das Gleiche tun möchte. Eine Berufsschulkollegin war damals bereits bei der Polizei und erzählte mir von den abwechslungsreichen und spannenden Aufgaben. Ich machte mir einige Gedanken dazu und traf den Entscheid, mich ebenfalls auf ein neues Berufsabenteuer einzulassen. Nach erfolgreicher Aufnahmeprüfung und ein paar Jahren im Beruf als Polizistin, darf ich sagen, dass ich es bis heute nicht bereue, diesen Schritt gemacht zu haben.

Wo warst du bei der Luzerner Polizei schon überall tätig?
Nach der Polizeischule und dem involvierten Praktikum bei der Sicherheitspolizei, Polizeiposten Wolhusen und Schötz, kam ich für ein Jahr in die Ausbildungsrotation. Das erste halbe Jahr war ich bei der Verkehrspolizei im Patrouillendienst tätig, das zweite Halbjahr bei der Sicherheitspolizei beim Polizeiposten Hitzkirch. An beiden Orten konnte ich mein erlerntes Wissen einsetzen und erweitern. Ich bewarb mich dann bei der Verkehrspolizei, wo ich nun seit Ende 2007 mein «zweites zu Hause» habe. Neben der Schichtarbeit beim Patrouillendienst war ich während 13 Jahren zusätzlich Diensthundeführerin. Nachdem mein Diensthund im Jahr 2019 pensioniert wurde, wechselte ich zum Unfalldienst der Luzerner Polizei.

Wie sieht dein jetziger Arbeitsalltag beim Unfalldienst aus?
Je nach Dienst beginne ich mit meiner Arbeit um 05:30 Uhr, 07:00 Uhr oder 08:00 Uhr. Als erstes informieren wir uns über die Ereignisse, welche in der vergangenen Nacht unsere Kollegen beschäftigten. Sehr oft gibt es Nachbearbeitungen von Verkehrsunfällen, wie beispielsweise nachträgliche Einvernahmen, Erstellen von Fotos oder die Besichtigung einer Unfallstelle am Tag danach. Nachdem die Aufträge verteilt wurden, sprechen wir uns noch kurz ab und beginnen mit den Arbeiten. 

Hier ein Beispiel wie es abläuft, wenn wir Ausrücken. Über Funk erhalten wir die Meldung von einem schweren Verkehrsunfall. Mein Kollege und ich behändigen unser Material (Fotokoffer, 3D-Laserscanner sowie Laptop) und begeben uns zum Unfalldienstfahrzeug. Auf dem Weg zum Fahrzeug sprechen wir uns kurz ab, wer welche Arbeiten machen wird. Und schon sind wir gegebenenfalls mit Blaulicht und Sirene unterwegs zum Unfallort. 

Vor Ort angekommen verschaffen wir uns gemeinsam einen Überblick und beschaffen uns von den bereits anwesenden Kollegen oder Kolleginnen die wichtigsten Informationen. Die Arbeiten am Unfallort sind zwischen uns aufgeteilt. Der Eine macht die «Aussenarbeit» wie Fotografieren, Spurensicherung, Skizzieren, Vermessen der Unfallstelle und vieles mehr. Der Andere tätigt die Einvernahmen, macht Abklärungen und informiert je nach Ereignis einen Polizeioffizier und/oder den Staatsanwalt. 

Anschliessend werden die Ergebnisse der erledigten Arbeiten, ähnlich einem Puzzle überprüft. Passen die von den unfallbeteiligten Personen gemachten Aussagen mit dem Spurenbild und den Beschädigungen zusammen? Kann sich der Unfall so zugetragen haben oder liegen Diskrepanzen vor? Bei schweren Verkehrsunfällen erstellen wir mittels eines 3D-Lasermesssystems (Scanner) zusätzliche Aufnahmen von der Unfallstelle und den beteiligten Fahrzeugen. Bevor wir uns auf den Weg zurück zum Stützpunkt machen, sprechen wir uns nochmals ab. Haben wir alle Spuren erfasst, alles fotografiert, ist der Unfallhergang geklärt? Wenn nein, was muss noch gemacht werden, damit «unser Unfallpuzzle» zusammenpasst? Wenn ja, fahren wir zurück zum Stützpunkt Sprengi, wo die ersten wichtigen Schreibarbeiten erledigt werden.

Die Schreibarbeiten nach einem Unfall dauern immer länger als die Sachverhaltsaufnahme auf der Unfallstelle. Erst erstellen wir den Eintrag im Einsatzjournal, anschliessend werden noch weitere Formalitäten erledigt. Seien dies weitere Einvernahmen mit Beteiligten durchführen oder Aufträge an andere Dienste erteilen. Schlussendlich folgt zu Ende noch die Rapportierung. Ein Unfallrapport muss so verfasst werden, dass sich der Leser/die Leserin eine Vorstellung bzw. ein Bild machen kann, wie sich der Unfall ereignet haben muss, ohne je selber vor Ort gewesen zu sein. Inhaltlich muss er korrekt und komplett verfasst sein, damit die Staatsanwaltschaft oder ein Gericht ein korrektes Urteil fällen kann. 

Innerhalb des Teams besprechen wir die Fälle. Auf diese Weise können wir voneinander lernen, unser Wissen erweitern und einen hohen fachlichen Wissensstand erlangen. Auch dies kann eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. 

Glücklicherweise ereignen sich nicht alle Tage schwere Verkehrsunfälle. An ruhigeren Tagen widmen wir uns der Kontrolle des Schwerverkehrs oder machen Geschwindigkeitskontrollen im ganzen Kantonsgebiet. Langeweile kommt bei uns nicht auf, denn zu tun gibt es immer etwas. 

Sicherlich gibt es einige Situationen die du aufzählen könntest, aber gibt es einen Einsatz der dich besonders geprägt hat?
Wir erleben in unserem Berufsalltag viele ganz verschiedene Situationen. Seien dies eher amüsante Momente oder aber tragische Schicksale. Ein paar Einsätze sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben.

An einem frühen Morgen erhielten wir den Auftrag, bei einer älteren Frau vorzusprechen. Diese hatte mittels eines Notrufknopfes bei der entsprechenden Institution einen Notruf abgesetzt.   Uns wurde mitgeteilt, dass sie aus dem Bett gefallen sei, als sie sich einen Kaffee holen wollte. Sie könne nicht mehr aufstehen und benötige unsere Hilfe. Vor Ort halfen wir der betagten Frau wieder in ihr Bett. Nachdem wir die Batterien ihres Hörgerätes gewechselt hatten, konnten wir uns auch mit ihr unterhalten. Sie bat uns, ihr einen Kaffee ans Bett zu bringen. Diesen Wunsch haben wir der herzlichen Frau gerne erfüllt. Ganz nach dem Motto «Die Polizei, dein Freund und Helfer». 

Oder als ein kleines Mädchen bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt ins Spital gebracht wurde. Als ich für ein Gespräch mit der Mutter des Mädchens im Spital war, traf ich im Gang auf ihr Gotti, welche darauf wartete, dass die Kleine verlegt wird. Das vierjährige Mädchen wurde dann im grossen Spitalbett über den Gang geschoben. Als das Mädchen ihr Gotti erblickte, welche sich an Krücken gehend ihrem Bett näherte, fragte die Kleine als erstes: «Gotti wie geht es deinem Bein?» Solche Momente lassen einem alle anderen Probleme vergessen und auch mal die Augen etwas feucht werden.

Leider gibt es aber auch die ganz schweren Schicksalsschläge. Wie beispielsweise als ein Vater vor Ort miterleben musste, wie sein Sohn auf der Unfallstelle verstarb. Solche Momente prägen, das vergisst man nicht wieder. Diese Emotionen, egal ob Trauer, Fassungslosigkeit oder Wut, muss man aushalten können. Oft erleben Personen an einer Unfallstelle den schlimmsten Moment ihres Lebens. Es ist folglich an uns mit dem nötigen Fingerspitzen- und Mitgefühl den Betroffenen in diesen schwierigen Momenten die nötige Unterstützung zu geben.

Für alle die sich für den Beruf Polizistin/Polizist interessieren. Welches sind aus deiner Sicht die wichtigsten Eigenschaften die eine Person mitbringen sollte?
Menschlichkeit, Ausgeglichenheit, Empathie, Durchsetzungsvermögen und eine «dicke Haut». Kein Tag ist wie der andere. Flexibilität ist gefragt, sei es bei den Arbeitszeiten oder bei der Erledigung der anfallenden Aufträge. Man darf sich von plötzlichen Situationsveränderungen nicht stressen lassen; Und vor allem musst du ein Teamplayer sein! 

Welche Tipps hast du für Berufsanfänger?
Setze dein erlangtes Wissen aus der Polizeischule und deinem vorherigen Beruf ein. Lerne jeden Tag dazu. Frage nach, wenn du etwas nicht weist oder unklar ist. Sei offen für Neues und bereit für andere Lösungen. Erweitere dein Wissen und deine Fähigkeiten im täglichen Dienst. Wenn dein Durchsetzungsvermögen verlangt wird, bleibe menschlich und korrekt.

Möchtest du noch etwas Abschliessendes sagen?
Behandle dein Gegenüber so, wie auch du gerne behandelt werden möchtest!


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